Tanzkuriosa
unakademische Sammlung zum Thema Tanz




Dance when you're broken open.
Dance, if you've torn the bandage off.
Dance in the middle of the fighting.
Dance in your blood.
Dance when you're perfectly free.
Rumi

Tanz wenn du aufgewühlt bist.
Tanz als hättest du die Fesseln abgestreift.
Tanz inmitten des Gefechts.
Tanz in deinem Blut.
Tanz wenn du vollkommen frei bist.
Rumi


Dschalal ad-Din Muhammad Rumi
war ein persischer Mystiker und einer der bedeutendsten
persischsprachigen Dichter des Mittelalters.
Dazu Wikipedia



Groovie Movie (1944).

Funny jitterbug instructional film





Tanzverbote 1



Swing tanzen verboten – ein Mythos?

Dass verpflichtend in allen Gaststätten Schilder mit Swing tanzen verboten hingen, ist eine moderne Sage.
Solche Schilder wurden in den 1970ern als Marketinggag erfunden und werden seitdem vertrieben.
 Zeitzeugen berichten aber davon, dass linientreue Gastronomen oder solche,
 die Ärger mit der Reichskulturkammer oder Gestapo vermeiden wollten,
 selbst solche Schilder anfertigten und aufhängten.
 Ab 1939 wurden im Laufe des Krieges öffentliche Tanzveranstaltungen ohnehin zunehmend untersagt.

Dies und alles über den 'Widerstand' der deutschen 'Swing Jugend' zur Nazizeit.....
Weiterlesen auf Wikipedia



Tanzverbote 2
Tanzen als subersive Aktion...


Nationalistische Kreise hatten schon in Zeiten der Weimarer Republik
gegen die amerikanische Jazz-Musik gewettert.
Bereits 1931 gab es das erste regionale Swing-Verbot in Thüringen.
Unmittelbar nach der Machtübernahme
 wurde ... schon keine Swing-Musik mehr gespielt.
Diese Art der Musik galt von nun an als "musikalischer Untergang des Abendlandes".

Weiterlesen auf Planet Wissen

Übrigens noch heute gelten Tanzverbote vor christlichen Feiertagen, z.B. Karfreitag

Weiterlesen auf Wikipedia



Sacred Dance
Ausschnitte aus dem Film "Meetings With Remarkable Men" von Peter Brook,
 über die spirituelle Suche des grieschich-armenischen Mystiker's G. I. Gurdjieff.
Diese "Movements" werden heute weltweit in offenen Klassen angeboten,
 - meist losgelöst von ihrer ursprünglichen Essence -,
 im Rahmen neo-esoterischer Gruppen, wie der Osho Corp.
Der Sinn dieser Übungen erschliesst sich nur für den Ausführenden.
Auf Wikipedia weiterlesen....


Der komplette Film kann über intakt eV als VHS Kassette ausgeliehen werden.



Tanz der Derwische


Der Ausdruck Derwisch bezeichnet vor allem
 in den europäischen Sprachen einen Sufi,
 einen Angehörigen einer muslimischen
 asketisch-religiösen Ordensgemeinschaft (tariqa),
die im Allgemeinen für ihre Bescheidenheit und Disziplin bekannt ist.

Bei Wikipedia weiterlesen....


Tanz auf dem Vulkan

 

© Ralf Kunstmann

Du musst tanzen durch das Feuer,
Tanz nur immer weiter, tanz !
Tanz solange die Musik spielt,
Dreh dich einmal voll und ganz !
Dreh dich einmal um die Sonne,
Dass die Welt vorüber fliegt,
Tanz und dreh dich
Und die Schwerkraft wird besiegt !

Dreh dich, (ewiglich)
Tanz und dreh dich, (ewiglich)
Spring und dreh dich, (ewiglich)
Beim wilden Tanz.
Dreh dich,
Tanz und dreh dich,
Spring und dreh dich,
Beim wilden Tanz auf dem Vulkan.

Du musst tanzen, in der Asche
Bis zum allerletzten Tanz.
Tanze Krater in den Boden
Und zertanz die Schuhe ganz !
Tanze, tanze über Tiefen,
Denn wer tanzen kann, der lebt.
Und du spürst die Erde,
Wie sie wogt und bebt.
(© Subway to Sally 2007)



Hexentanz & Walpurgis Nacht

'Walpurgisnacht' von Schandmaul

Der Mond scheint voll und klar,

taucht die Welt in bleiches Licht,
Nebel , sonderbar,
verschleiern Sein und Sinne,
magisch strahlt der Ort,
zieht uns an mit seiner Macht,
ich muss fort, es ist Walpurgisnacht.

Stetig steil bergauf,
dorthin wo das Feuer lodert,
zieht uns in ihren Bann,
der Gottheit wilde Meute,
nah an der Feuersglut ,
verschmelzen wir zu einem Körper,
werden Eins mit der Walpurgisnacht.

Sieh ein Rabe fliegt,

hinaus ins dunkle weite Land,
auf seinen Schwingen liegt,
mein innigster Gedanke,
mag er ihn bewahr'n,
auf diese Weise weitertragen,

weit in die dunkle Walpurgisnacht.

Einen Moment lang sah ich
diese Welt aus seinen Augen,

einen Moment lang
spür ich seine freie Seele,

als der Morgen graut,
ist er dem Blick entschwunden,

es neigt sich diese Walpurgisnacht.

Rundherum, ums helle Feuer,

rundherum, in wildem Tanz,
kreisen Körper, Geister, Blicke berühren sich im Fluge...



Johannes Praetorius:
 Bloks Bergs Verrichtung 1668





Tanz in den Mai

Vorgestern, gestern

    

und heute...





Poesie zum Maigefühl

Meine Konstellationen stehen gut
ziehe beeindruckt freudig den Hut
und trudele hier und dort mal ein
um außer Rand und Band zu sein…

Werde barfuss über Wiesen springen
am Morgen - mit den Vögeln singen
und dem Mai zum Frühstück schenken
mein ausgesprochenes Unbedenken…

© Mabel Poercy

Hier das ganze Gedicht!





Top Ten der Tanzfilme
Platz 10:


® als Logo des Filmes Dirty Dancing.

Dirty Dancing (1987) ist mit großer Wahrscheinlichkeit
einer der erfolgreichsten und bekanntesten Tanzfilme der Welt.

Dirty Dancing sollte an die Filmmusicals erinnern,
in denen Tanz eine Form der Verführung darstellte.
 Der Choreograph Kenny Ortega orientierte sich bei allen Tänzen
 am Originalstil der frühen Sechziger.
 Einflüsse stammen von Mambo und kubanischen Rhythmen.

In Anlehnung an den Film wird der Ausdruck dirty dancing,
 wörtlich „schmutziges Tanzen“,
heute besonders in den USA auf Tanzstile angewandt,
 die betont sexy und effektvoll sind.

Der Regisseur Emile Ardolino war 1993 noch mit "Sister Act" erfolgreich.

Für das speziell zum Film komponierte Lied "The Time of My Life"
 erhielten die Komponisten Franke Previte, John Denicola und Donald Markowitz einen Oscar.

„Der Überraschungserfolg der Kinosaison 1987/88
 entpuppt sich als inhaltlich und formal
 gleichermaßen biederer Unterhaltungsfilm,
 der leichte Anrüchigkeit mit sentimentaler Moral zu kombinieren versucht,
in der Präsentation von Tanzszenen und Liebesromanze mit Happy-End
 aber ganz offensichtlich einen ‚zeitgeistlichen Nerv‘ getroffen hat.“
Lexikon des internationalen Films

Beim Moondance werden keine Titel
aus Dirty Dancing zu hören sein, versprochen !







Ich würde nur an einen Gott glauben,
der zu tanzen verstünde.

Und als ich meinen Teufel sah,
da fand ich ihn ernst, gründlich, tief, feierlich;
es war der Geist der Schwere – durch ihn fallen alle Dinge.
Nicht durch Zorn, sondern durch Lachen tötet man.
Auf, laßt uns den Geist der Schwere töten!
Ich habe gehen gelernt: seitdem lasse ich mich laufen.
 Ich habe fliegen gelernt: seitdem will ich nicht erst gestoßen sein,
 um von der Stelle zu kommen.
Jetzt bin ich leicht, jetzt fliege ich,
 jetzt sehe ich mich unter mir,
 jetzt tanzt ein Gott durch mich.

Also sprach Zarathustra.

( aus Friedrich Nietzsche's, 'Also sprach Zarathustra' )








Älteste bekannte Tanzdarstellungen:
oben: Höhlenzeichnung ca. 5000 v. Chr, darunter: 1400 v. Chr. in Ägypten





 
Thema Tanzseuche / Tanzwut:

Der Veitstanz



Der Veitstanz ist ein alpenländischer Volkstanz, der sich vor allem durch seine schnellen,
arhythmischen, zuckenden und unwillkürlichen Bewegungen der Gliedmaßen,
 des Rumpfes und/oder des Gesichtes auszeichnet.
 Das Zentrum des Veitstanzes befindet sich im nördlichen Salzburg,
es gibt jedoch auch Veitstanzgruppen in Engerwitzdorf und Walding (Oberösterreich).
Nach längerem Tanzen kann Schwachsinnigkeit auftreten,
 diese vergeht jedoch in der Hälfte aller Fälle nach wenigen Tagen wieder.
Quelle: stupidedia.org




Antike Tanzwut
 des dionysischen Mysteriums
als eine Art religiös-epidemischer Hysterie:
"Bald hebt sich das Land, wirbelnd im Tanz
Wenn Bromios den Reigen führt auf das Gebirg,
Wohin schwärmender Frauen Schaf
Vom Webstuhl und Gewebe floh,
Wahnsinnstrunken von Bakchos."
(114-118)




Ein Pärchen aus der dionysischen Prozession.
Aulosspiel und Kastagnettentanz
Griechische Schale. London. Britisches Museum.







Veitstanz während einer Wallfahrt,
Die Männer versuchen ihre Frauen zu beruhigen.




Sankt Veit bei Zabern (frz. Saverne) im Unterelsaß
Einst Wallfahrtsstätte für "Tanzwütige", die man in der Hoffnung auf eine Heilung dahin brachte.



Tanzwütige in einem Reigen auf einem Kirchhofe.
Kupferstich aus Gottfrieds Historischer Chronik. Frankfurt, 1632.




Fanatisierte Teilnehmer einer modernen Rock'n'Roll-Musik-Show in ekstatischer Bewegung.
Die motorische Massenekstase gipfelt oft in der Demolierung der Saaleinrichtung.

Tanzseuche:


                   


An der Wende zwischen Mittelalter und Neuzeit breitet sich vom
süditalienischen Apulien eine Tanzerscheinung aus,
die sich bis ins späte 17. und frühe 18. Jahrhundert verfolgen lässt:

Der Tarantismus.

Volksglaube und ärztliche Berichte vermuten den
Ausbruch der Tanzkrankheit durch den Biss einer in Süditalien
häufig vorkommenden Spinne, der Tarantel (Lycosa tarentula),



verursacht. Erste medizinische Beschreibungen des Phänomens
finden sich am Ende des 15. Jahrhunderts, wobei das
Krankheitsbild – neben körperlichen Beschwerden – auch mit
Melancholie und einem sehr starken und sinnlich gefärbten
Bewegungsdrang einhergehend beschrieben wird.

Als therapeutisches Mittel wird den Kranken
– die bereits im 15. und 16. Jahrhundert „tarantati“ genannt werden –
Tanz-Musik (die „Tarantella“) vorgetragen,
um die Betroffenen zum Tanz zu zwingen.
( Andrea Korenjak, 2008 )

Zum gleichen Thema: 'Der Spiegel' 42/2008

Tanz in den Tod

Erst waren es nur wenige, die in den engen Gassen Straßburgs
tagelang hüpften, sprangen und sich im Kreis drehten.
Am Ende verrenkten Hunderte Menschen wie besessen ihre Glieder.
Dutzende von ihnen starben an Entkräftung, Herzinfarkt oder Schlaganfall.
Wissenschaftler haben lange über die Ursachen
des historisch belegten Totentanzes gerätselt,
der im Sommer 1518 wie eine kollektive Seuche
über die elsässische Metropole hereinbrach.

Der US-Historiker John Waller von der Michigan State University
glaubt jetzt die Erklärung gefunden zu haben.
Demnach handelte es sich bei den gespenstischen Ereignissen
um eine "psychogene Massenhysterie"
- ausgelöst durch Hunger, Krankheitsängste und Psychostress.
"In Gruppen, die in schweren wirtschaftlichen
und sozialen Nöten unterzugehen drohen,
kann Trance hochansteckend wirken", so Waller.

Andere Interpretationen hält der Forscher für widerlegt.
Der Verzehr von giftigem Mutterkorn etwa komme als Auslöser nicht in Frage:
"Die Leute haben nicht nur gezittert,
ihre Glieder geschüttelt oder sich konvulsiv verrenkt
 - sie haben Arme und Beine bewegt,
als würden sie wirklich tanzen."
Auch lasse sich das Spektakel kaum als ekstatisches Ritual
einer häretischen Sekte deuten:
"Es spricht alles dafür, dass die Opfer
voller Angst und Verzweiflung waren."
Beispiele für ähnliche psychogene Massenhysterien
hat es bis in die jüngste Vergangenheit immer wieder gegeben.
Im mittelalterlichen Europa schlug der kollektive Tanzwahn
noch mindestens siebenmal zu - fast immer rund um Straßburg.



Statt Impfung empfehlen wir vorbeugend eine monatliche Dosis Moondance.
Bitte fragen Sie auf keinen Fall ihren Arzt oder Apotheker.


Tanz Aphorismen

Nichts bringt dich so schnell in magische Schwingung wie Tanz,
die bewußte Bewegung des Körpers.
Und nichts ist so wichtig, um deinen Körper zu trainieren.
Wer tanzen kann, steht alles durch.
Aus einem Tanz wurde die Erde geboren, entsteht jeder Stern, jeder Planet.
Tanzend werden Energien spielerisch gerufen.
Je mehr du tanzt, um so genauer
 lernst du die Kräfte deines Körpers kennen.
Tanzend kannst du einkreisen, umzingeln, rufen, heraufholen, abwehren.
Tanzend kannst du feiern und sterben.

Luisa Francia,
aus Mond Tanz Magie,

Verlag Frauenoffensive München 1986





Lob des Tanzes


Ich preise den Tanz,

denn er befreit die Menschen
von der Last der Materie
und bindet den Einsamen
an die Gemeinschaft.

Ich preise den Tanz,
der alles fordert:
Gesundheit und klaren Geist
und eine beschwingte Seele.

Tanz ist Verwandlung
des Raumes,

der Zeit,
und des Menschen,

der dauernd Gefahr läuft, 
nur noch Hirn, Wille
oder Gefühl
zu sein.


Der Tanz aber fordert

einen vollständigen Menschen,
der in seiner Mitte verankert ist,
nicht besessen von der Gier
nach Menschen und Dingen
und vom Dämon
 der Isolation im eigenen Ich.

Der Tanz fordert einen befreiten,
lockeren Menschen
im Gleichgewicht all seiner Kräfte.

Ich lobe den Tanz!
O Mensch, lerne tanzen,
sonst wissen die Wesen des Himmels
 
nichts mit Dir anzufangen.

St. Augustinus von Hippo (354 - 430 n.Chr.)

Neu und etwas freier übersetzt von Wolf. 
Danke für den Tip, Birgit !